300. Todestag Gustav von Lentersheim

von | Nov 30, 2021

Erhard Gustav von Lentersheim – einem Muhrer Schlossherrn zum 300. Todestag

Im November 2021 jährte sich zum 300. Mal der Todestag des Muhrer Schlossherrn Erhard Gustav von Lentersheim. Im selben Jahr wurde sein Enkel, der letzte männliche Nachkomme der adeligen Familie geboren, die über 500 Jahre die Geschicke der Gemeinde und der Kirchengemeinde leitete und bestimmte.

Unter den zahlreichen und zum Teil von bedeutenden Künstlern geschaffenen Epitaphien in der St. Johanniskirche in Muhr am See fällt das Grabmal des Gustav von Lentersheim besonders auf. Während auf den ältesten Grabplatten nur die Wappen der Verstorbenen und eine knappe Inschrift mit dem Todestag vorhanden sind, zeigen die Epitaphien des 16. Jahrhunderts die Verstorbenen, manchmal mit der ganzen Familie, unter dem Kreuz kniend. Die Inschriften sind ausführlicher. Im 17. Jahrhundert werden dann die Verstorbenen oft in Lebensgröße dargestellt. Die Inschriften sind aber noch verhältnismäßig knapp.

Ganz anders zeigt sich das große Barockgrabmal des Gustav von Lenterheim zwischen den Fenstern an der Südseite des Langhauses. Nicht nur vom Stil her unterscheidet sich dieses Grabmal von den anderen Epitaphien, sondern auch von seiner Größe und Aufmachung. Es ist das einzige Grabmal in der St. Johanniskirche, das ein Porträt des Verstorbenen zeigt und auf dem auch eine sehr ausführliche Inschrift Auskunft über das Leben und die Ämter des Dargestellten gibt.  Im Zentrum des Grabmals ist das auf einem ovalen, leicht gewölbten Blech das Brustbild des Gustav von Lentersheim in Ritterrüstung mit Perücke zu sehen. Das Ölbild ist so gemalt, dass er sein Gesicht immer dem Betrachter zuwendet, ganz gleich, wo der sich im Mittelgang des Langhauses oder auf der Nordempore aufhält. Früher wurde Kindern, die sich in der Kirche nicht ruhig verhielten, immer damit gedroht: „Pass auf, der schaut dich immer an und sieht es, wenn du nicht brav bist!“ Der strenge Blick des ‚alten Herrn’ verfehlte meiste seine Wirkung nicht. Auf eine Kartusche – ebenfalls aus Blech – ist auf leicht grauem Untergrund die Inschrift: „Ao: 1721, d. 28. Novembr. Ist selig verschieden der Reichs Frey Hochwohlgeborne Herr Herr Erhard Gustav von Lentersheim, Herr Zu Alten und Neuen Muhr, Oberstein- Roß- und Stübach. Hochfürstl. Brandenb. Onolzb. Geheimer Rath dann des HR (= Heiligen Römischen) Reichs unmittel barer Ritterschafft zu Francken erbettener Ritter Rath des Cantons Altmühls Seines alters 63 Jahr 6 monat 22 tage. Gott verleihe ihm am Jüngstentag eine fröhliche Auferstehung“.

Erhard Gustav von Lenterheim wurde am 26. Apr. 1658 im Schloß in Obersteinbach geboren. Sein Vater war Johann Friedrich von Lentersheim zu Alten und Neuen Muhr, Ober-Steinbach, Roßbach und Stübach geb. 1612, gest. 1678 in Obersteinbach. In der dortigen Kirche liegt er begraben. Seine Mutter Anna Barbara, geb. Fuchsin von Walburg, geb. 1628, starb 1677 ebenfalls in Obersteinbach. Gustav Erhard von Lentersheim heiratete 1689 Eleonora von Kippenheim. Ihr Epitaph befindet sich an der südlichen Chorschräge der St. Johanniskirche.

Das Ehepaar hatte acht Kinder, sechs Töchter und zwei Söhne. Die Tochter Elisabeth Sabina wurde 1690 geboren und starb zwei Monate später. Die Tochter Maria Anna wurde 1670 geboren und starb am gleichen Tag. Am 1693 wurde der Sohn Christoph Gustav geboren, der die Linie weiterführte. Die 1694 geborene Tochter Christina Eleonore heiratete 1740 Joachim Christoph von Seckendorf Gutend zu Obernzenn. Die Tochter Elisabeth wurde 1696 geboren und starb 1697. 1700 wurde die Tochter Maria Louise geboren. Sie starb unvermählt 1726. Der 1701 geborne Sohn Helmhard Gottfried starb 1703 und die 1706 geborne Tochter Eva Dorothea starb im Alter von sechs Wochen noch im selben Jahr. Von der großen Kinderschar überlebten nur drei Kinder die Eltern. Die Mutter starb 1726, einen Monat vor der Tochter Marie Louise.

Das aus grauem, feinkörnigem Sandstein gearbeitete Grabmal von Erhard Gustav von Lentersheim ist prächtiger gestaltet als alle Epitaphien in der St. Johanniskirche. Die Inschrift berichtet von den Titeln des Verstorbenen. Die Säulen links und rechts des Portraits und der Inschrift schmücken je vier Wappen der Ahnen des Abgebildeten, alles bekannte fränksiche Geschlechter. Auf dem Gebälk des Epitaphs ist das Lentersheimische Wappen zu sehen flankiert von zwei sitzenden Frauengestalten. Sie könnten ein leichter Hinweis auf das Leid sein, das die Familie durch den frühen Tod von fünf Kindern ertragen mußte. Die eine Gestalt hält ein Kreuz in der Hand, das Zeichen des Sieges Jesu Christi über den Tod. Die andere hielt einen Palmzweig, der aber einmal mitsamt der Hand abbrach und seither verschwunden ist. Der Palmzweig ist das Zeichen der Erlösten vor dem Thron Gottes und mit dieser Hoffnung für den Verstorbenen endet ja auch die Inschrift: „Gott verleihe ihm am Jüngstentag eine fröhlicher Auferstehung“.
  GÜNTER L. NIEKEL

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