Text der Predigt

Misericordias Domini, 18.04.2021, St. Joh. 09.00 Uhr

Johannes 21, 15-19


21, 15 Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese liebhaben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.
19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Liebe Gemeinde,
wir sind in der Zeit nach Ostern. Unterwegs mit dem Auferstandenen.
Unser heutiger Reiseführer, der Evangelist Johannes, hat uns in den vorausgegangenen Kapiteln schon von berühmten Persönlichkeiten und berühmten Begegnungen berichtet.
Zuerst von Maria von Magdala die dem Auferstandenen begegnet und ihn für den Gärtner hält und wenn sie Jesus erkennt, ihn nicht berühren darf – davon hörten wir am Ostersonntag.
Danach lernten wir Thomas kennen, der die erste Begegnung der Jünger verpasst, und der dann beim zweiten Mal Jesus anfassen muss, weil er anders nicht glauben kann, dass er es wirklich ist.
Das war das 20. Kapitel – das Evangelium am Ostermontag.

Jetzt – im 21. Kapitel bei Johannes – erscheint Jesus ein drittes Mal den Jüngern. Und das ist die letzte und vielleicht auch die merkwürdigste Auferstehungsgeschichte im Johannesevangelium.
Im Mittelpunkt steht Petrus.
Zunächst sind die Jünger beim Fischen auf dem See Genezareth – also wieder daheim in Galiläa.
Warum sie dorthin zurückgekehrt sind, erfahren wir nicht. Sie haben jedenfalls nichts gefangen die ganze Nacht über.
Ein neuer Morgen bricht an. Da steht ein Mann am Strand. Er winkt und ruft, aber sie erkennen nicht, wer es ist.
„Habt ihr nichts zu essen?“ –
„Nein, wir haben nichts. Wir haben die ganze Nacht nichts gefangen.“
„Werft euer Netz noch einmal aus! Auf der rechten Seite werdet ihr es schaffen.“
Sie tun es so und tatsächlich: Auf einmal ist das Netz voller Fische.
Und erst jetzt merken sie, wer es ist. ER ist es, kein Zweifel!
Jesus ist es!

Petrus springt ins Wasser am Ufer und rennt los.
Dort brennt bereits ein Kohlenfeuer. Da werden Fische gegrillt und Brote geröstet.
Und dann ist auch noch das Fischernetz am Bootsrand ganz voll. Aber wie durch ein Wunder hält es und reißt nicht.
Jesus spricht: „Bringt uns von den Fischen!“
Petrus mit Feuer-Eifer springt gleich hin und zieht das schwere Netz allein ans Land.
Dann halten sie ein Picknick mit Bratfischen und Brot und hier beginnt der Predigttext: Johannes 21, 15-19 –
mit dem Ziel am Schluss: „Folge mir nach!“

Petrus wird noch einmal berufen – noch einmal in die Nachfolge Jesu, seines Herrn.
Er darf wieder Jünger Jesu sein, ein Apostel des Auferstandenen, ein Helfer des Hirten, ein Zeuge der Liebe, die Gott zu den Menschen hat.
So geht die Geschichte aus.
Und trotzdem ist das keine Heldengeschichte. Petrus ist nicht der Super-Heilige, der Apostelfürst und Großmeister des Glaubens.
Er ist auch nicht so, wie ihn Künstler in weißen Marmor gemeißelt haben mit den Himmelsschlüsseln in der Hand – wie im Petersdom in Rom.

Eigentlich ist er in der Bibel gerade nicht der vorbildliche und fehlerlose Heilige.
All das ist er in er Bibel nicht. Und gerade das macht ihn mir so sympathisch.
Petrus war eben ein ganz normaler Mensch, mit Schwächen und mit Stärken.
Manchmal muss man fast schon Mitleid mit ihm haben. Wie schwer muss es ihm gefallen sein, all das zu verstehen, was da um ihn herum passiert ist.

Ein einfacher Fischer von See Genezareth war er gewesen. Aber als Jesus seine Jünger auffordert Familie und Fischfang hinter sich zu lassen, da ist er einer der Allerersten, die ihm nachfolgen.
Er war schon immer energisch und tatkräftig, zupackend, vorangehend – ein entschlossener Mensch der Tat.
Und Jesus vertraut ihm – immer wieder.
Mehr als einmal hat er ihm das gesagt: Auf dich kann man sich verlassen – du bist mein Fels, auf den ich baue.

Petrus – auf deutsch „der Fels“!
Und dann kam der Gründonnerstag – ein dunkler Tag für Petrus!
Vollmundig hatte er seine Treue geschworen: „Herr, ich folge dir überall hin. Niemals will ich von deiner Seite weichen. Ich folge dir. Wenn es sein muss, folge ich dir bis in den Tod.“
Und dann wird Jesus verhaftet.
Petrus springt auf, zieht sein Schwert und will kämpfen. Jetzt ist die Zeit gekommen, hat er wohl gedacht.
Und dann hat er dem einen Soldaten gleich mal ein Ohr abgehauen. Doch gerade das wollte Jesus nicht.
Er verbot es ihm und ließ sich einfach abführen, hat sich foltern und verhören lassen – hat sich nicht gewehrt.
Alle waren sie geflohen. Und Petrus ist ganz allein.

Er versucht zu folgen, versucht seinen Treue doch noch irgendwie zu zeigen. Er schleicht sich also hinterher, traut sich bis in den Innenhof der römischen Anlage, aber dann verlässt ihn der Mut.
Und so verleugnet er seinen Herrn in dieser Nacht:
„Was ich ein Galiläer? Nein, das muss ein Irrtum sein.“
„Wer? Jesus, den kenn ich nicht, nie gehört den Namen.“
„Ich, soll einer seiner Jünger sein? Nein, da täuschst du dich.“
Dreimal wurde er schwach, dreimal hat er gelogen. Und dann hat der Hahn gekräht.
Jesus wird gekreuzigt.
Und dann – nach drei Tagen – kam das Unfassbare:
Etwas, womit keiner gerechnet hatte – etwas, was keiner auf seinem Plan gehabt hat:
Jesus war tot. Und er lebt!
Als Petrus von dem weggerollten Stein hört, rennt er gleich los. Und tatsächlich: das Grab ist leer!

Soweit die Vorgeschichte.
Blickwechsel:
Jetzt ist Petrus auf dem See. Und er hat’s wieder eilig.
Jesus steht also jetzt am Ufer im Licht der aufgehenden Sonne. Und er spricht ihn an: „Simon“, sagt er. Simon – sein eigentlicher Geburtsname – und nicht Petrus.
„Hast du mich lieb“ – „Hast du mich lieber als mich diese haben?“
Nein. Wohl nicht. Denn er ist ja schwach geworden.
Er wollte es zwar gerne, wollte immer der Erste sein, der Stärkste, Klassensprecher und Jahrgangsbester unter den Jüngern.
„Auch wenn alle schwach werden, so doch ich nicht!“, so hatte er kurz davor noch groß getönt.
„Herr, du weißt, dass ich dich liebe“, antwortet er jetzt ein wenig kleinlaut.
Noch einmal fragt ihn Jesus: „Hast du mich lieb?“ Wieder antwortet er dasselbe.
Und ein drittes Mal fragt er ihn: „Hast du mich lieb?“ So als wollte er sagen: Wirklich wahr? Kann ich dir vertrauen? Ist auf dich noch Verlass?
Und diesmal wird Petrus traurig und sagt: „Herr, du weißt alles. Du weißt, was ich getan habe, aber du weißt auch, wie wichtig du für mich bist.“

Dreimal hat er ihn damals verleugnet. Dreimal bekennt er sich nun wieder zu ihm. Und dreimal wird ihm verziehen:
„Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe! Weide meine Schafe!“
Das heißt: Simon soll wieder der Petrus sein. Einer der den Anderen Halt gibt, ein Eckstein der Urgemeinde, ein Fels in der Brandung.
Er kann es und er soll es auch sein.
Gerade nicht weil er so toll ist, nicht weil er so stark oder fehlerlos ist, nicht weil er besser wäre als die anderen Jünger – sondern, weil er Jesus liebhat.
Die Liebe ist das Entscheidende.
Und weil auch Jesus ihn liebhat, erhält Petrus eine zweite Chance und den Auftrag, es noch einmal zu versuchen.

Weide meine Schafe! Und folge mir nach!
Und diesmal wird er nicht schwach werden. Er wird Jesus nachfolgen und er wird den Weg der Nachfolge bis zum Ende gehen, bis er, wie schon sein Herr zuvor, am Kreuz endet.
Der Auferstandene deutet es ihm an:
Man wird deine Hände ausstrecken, dich festbinden und dich dahin führen, wohin du nicht willst.
Diesmal wird es keine Niederlage sein, sondern im Gegenteil: mit deinem Tod wirst du Gott die Ehre geben und den Menschen Mut machen durchzuhalten. Dein weiteres Leben wird ein Sieg sein!

Was mir an Petrus gefällt, ist, dass er hier gerade ohne Heiligenschein dargestellt wird. Als ein einfacher Mensch.
Als einer, der manchmal sich sogar selber überschätzt und voller Tatendrang den Mund zu voll nimmt. Einer, der Sprüche klopft und an seinen eigenen Zielen scheitert.
Und bei alledem bleibt er immer einer, der die eigenen Fehler auch erkennt – einer der bereut und umkehrt.
Und am Ende ist er einer der ersten, die sich zu Jesus bekennen und die durchhalten in der Verfolgungszeit.

Wir lernen daraus:
Du darfst hinfallen, aber du musst nicht liegen bleiben.
Als Christen sind wir alle nur Menschen, keiner ist perfekt.
Wir sind als Christen nicht ausgezeichnet, weil wir vollkommen sind, sondern weil uns vergeben wurde.
Wir leben alle von dieser 2. Chance für das Leben.
Entscheidend ist nicht meine Stärke – aber auch nicht meine Schwäche, sondern die Liebe.
Die Liebe Gottes zunächst und dann auch meine.
Die Liebe, die ich zuerst erfahre und dann die, die ich weiter tragen kann zu den Anderen.
Und die Liebe, die auch mich trägt.

Selber getragen – kann ich selbst das tragen, was mir zu tragen gegeben ist.
Das hat Gott versprochen: „Ich will euch tragen.“
Und davon leben wir bis heute.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

 

 

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